Dienstag, 21. Oktober 2014

Dienstagsfrage

Die verstrickte Dienstagsfrage 42/2014
Hallo Liebes Wollschaf,
ich hätte folgende Frage für Dich: Derzeit erweitere ich immer wieder meine Büchersammlung zum Thema Stricken.
Daher interessiert es mich, was eure Bibliothek bisher so beinhaltet.
Sind es Musterbücher, Grundlagenbücher, Bücher zu bestimmten Themen wie Socken oder Oberteilen?
Sind die Bücher in eurer Muttersprache geschrieben oder nutzt ihr auch andere Sprachen, um eure Erkenntnisse zu erweitern?
Habt ihr schon Muster aus den Büchern nachgestrickt, oder war es nur ein Spontankauf und die Bilder sind toll anzusehen?
Wie umfangreich ist eure Büchersammlung zu diesem Thema?
Müsst ihr die Bücher in den Händen halten können oder habt ihr auch Ebooks?
Dann hätte ich noch eine Frage: Habt ihr Zeitschriften-Abos zum Thema Stricken? Sind dies Offline- oder Online-Abos?
Oder kauft ihr regelmäßig Strickzeitschriften?
Welche Zeitschriften habt ihr? Gibt es welche, die euch enttäuscht haben?

Vielen Dank an Jana für die heutige Frage!


Es gab eine Zeit, ab 2005, da habe ich regelmäßig neue, ausschliesslich englische Strickbücher gekauft, ab und zu erwarb ich auch noch japanische Bücher. Das war in den ersten Jahren meiner Strickblogger-Zeit und damals sah es auf dem Markt für Strickbücher in deutscher Sprache nicht gut. Beide Sprachen gehören für mich aber eh zum Alltag, insofern mache ist es für mich kein Unterschied, ob ich Deutsch oder Englisch lese.
Allerdings muss ich sagen dass ich, einmal an die englischen Anleitungen gewöhnt, Anleitungen in deutscher Sprache meide.
Gekauft habe ich seinrzeit queerbeet: reine Muster- und Anleitungsbücher, Grundlagenbücher zum Stricken sowie zu bestimmten Arbeitstechniken, Themenbücher (Schals und Socken) sowie Bücher zur Historie des Strickens.
Bis auf wenige Ausnahmen waren es vor allem die Bilder von schön fotografierten Modellen, die mich zum Kauf verführten. Zusätzlich habe ich ca. drei Jahre die beiden Strickzeitschriften Vogue Knitting und Interweave abonniert. Und natürlich kam das Rowan-Heft zwei Mal im Jahr ins Haus.
Irgendwann kam es mir aber so vor, dass je mehr ich kaufte, desto mehr Bücher erschienen auf dem Markt und alle mit mehr oder weniger ähnlichem Inhalt, ähnlichen Modellen. Und plötzlich war bei mir der Moment der völligen Übersättigung durch Überangebot erreicht.
Ich musste feststellen, dass ich mehre Meter Strickbücher im Regal aufbewahrte, von denen ich die meisten so gut wie nie mehr in die Hand nahm. Schweren Herzens habe ich vor vier Jahren beschlossen, mich von all den Büchern zu trennen, die ich nicht wirklich gut, schön oder nützlich finde. Einen großen Teil habe ich verkauft und vieles verschenkt. Die verbleibenden Strickbücher packte ich zusammen mit meiner Stick- und Nähliteratur in ein Regal und mir das Gebot auferlegt, nur das an Handarbeitsliteratur zu besitzen, die in dieses Regal passt. Dazu habe ich hier schon geschrieben.


 photo decluttering1_zpsba45fd9a.jpg


Zeitschriften kaufe ich schon lange nicht mehr, und selbst auf das Rowan-Heft verzichte ich seit zwei Jahren. (Meine Rowan-Hefte sind übrigens die einzige Ausnahme der Regal-Regel: sie lagern in einem anderen Regal bei meinem Schallplatten.)
Mein System klappt sehr gut und spart sehr viel Geld ein: Spontankäufe mache ich gar keine mehr, da ich mir jedes Buch, das mein Interesse erregt, über Tage oder Wochen hinweg immer wieder ansehe und mich dabei wieder frage, warum ich das Buch haben möchte - mit dem Ergebnis, dass bei 95% das Interesse nach einem Monat verflogen ist. :)
Meine sehr geschrumpfte Sammlung umfasst jetzt vor allem Grundlagen- und historische Musterbücher, Bücher zu speziellen Techniken oder Bücher, die historisches Hintergrundwissen vermitteln.
Ich nutze auch die Möglichkeit, über Ravelry einzelne Anleitungen zu kaufen, wenn auch sehr selten. Ich finde die Preise von bis zu $ 10,- für eine einzelne Anleitung manchmal einfach zu teuer. Auch da wird gründlich überlegt und meistens verpufft das Verlangen recht schnell.

Montag, 20. Oktober 2014

FO Elementary

Mein armer Blog, so vernachlässigt - dabei gäbe es das ein oder andere fertig gestrickte Stück, über das ich noch gar nicht geschrieben habe.

Schon im Februar ist ELEMENTARY fertig geworden, den ich für die liebe Isa testgestrickt habe. Ich mag Isas Entwürfe sehr gerne: es sind schöne schlichte Modelle, die immer irgendein interessantes Detail oder eine besondere Lösung haben. Es sind alles gut tragbare Modelle, ohne überflüssigen Schnickschnack - ganz nach meinem Geschmack.

Als ich den Entwurf von ELEMENTARY sah, wusste ich sofort, dass ich diesen Pulli Ton in Ton in grün-blauen Farben und in Mohairqualität stricken musste. Mohair deshalb, weil ich nicht wollte, dass die Farben klar definiert sind, sondern sie sollten ineinander verwischen. Ich wollte eine weite, lockere Passform und wählte daher eine größere Konfektionsgröße.


 photo elementaryblog1_zps6d7ab736.jpg


Die Anleitung von Isa sind klar und deutlich geschrieben, und da die Mustercharts von ELEMENTARY sehr übersichtlich sind, ist dieses Modell auch für Anfänger des Mehrfarbenstrickens geeignet. Die Maschen werden mittels Hilfsfaden angeschlagen und dann wird von oben nach unten gearbeitet. Mittels verkürzten Reihen wird die Passform im Nackenbereich optimiert.


 photo elementaryblog2a_zps76556318.jpg


Hauptgarn ist zartgrünes FineKid von Anny Blatt. Ausserdem habe ich SoftKid von GGH, Kidsilkhaze sowie Lurex Shimmer von Rowan und dunkelblaues Arpège von Bouton d'Or.


 photo elementaryblog2b_zps47cae137.png

Als ich für den Rumpfteil eine neues Knäuel FineKid in ANgriff nahm, bemerkte ich, dass die Haptik des FineKid eine andere war, ohne dass ich hätte sagen können, was anders war. Ich strickte munter weiter und kettete mit dem seegrünen Softkid ab. Dann wurde die Passe, Halsausschnitt und Arme fertig gestellt.
Bei der ersten Anprobe nach Fertigstellung sass der Pulli hervorragend und ich wusch ihn dann vorsichtig in lauwarmen Wasser.
Das war das Ende: der Rumpfbereich und die Arme leierten wahnsinnig aus, und gewannen ca. ein Drittel an Länge und Weite. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich war völlig ratlos, denn die Maschenprobe deutete nichts dergleichen an.


 photo elementaryblog4_zps4f78b172.png


Ich trage den Pulli nur zuhause, aber ich das Modell noch einmal stricken. Und da das jetzt nach ROMY das zweite Mal ist, dass ich mit Wolle von Bouton d'Or die Erfahrung machen musste, dass sie höllisch ausleiert, lass ich in Zukunft die Finger von den Produkten.
  • Pattern: ELEMENTARY
  • Pattern Source: ELEMENTARY, Isabell Kraemer
  • Knitted for: me
  • Size knitted: L
  • Yarn/ Materials:
    Anny Blatt, Fine Kid, shade 642 'menthol';
    Bouton d'Or, Arpège, shade 850;
    GGH, Soft Kid, shade 58;
    Rowan Kidsilk Haze, shade 582;
    Rowan, Lurex Shimmer, shade 337 'minty'
  • Needles: Addi 3.75, Addi 4.0
  • Start/Finish: Dezember 2013/ February 2014
  • Modifications: some minor modifications

Donnerstag, 14. August 2014

Finnisches Moos und Bananen

Nachdem ich das graue Jäckchen aufgeribbelt habe, konnte ich mich nicht aufraffen, ein neues Projekt in Angriff zu nehmen. Nicht einmal die Socken, die in ihren Körbchen versauern, haben mich gereizt.
Das liegt sicherlich nicht an mangelnder Stricklust, sondern daran, dass ich einfach Lust auf neues Garn habe.
Da aber mein Schrank noch sehr gut gefüllt ist, sind neue Käufe absolut tabu. Darüber hinaus weiß ich aus Erfahrung, dass das Bedürfnis, unbedingt Neues zu kaufen, wieder verfliegt wenn meine Hände beschäftigt sind.

Zum Glück bin ich in einem französischen Blog über einen hübschen Schal gestolpert, den BANANA LEAF SHAWL, der ganz nach meinem Geschmack ist: schlichtes Strukturmuster, lang und breit. Das perfekte Garn habe ich sehr schnell gefunden: 'Silvia', eine Wolle-Seiden-Mischung des finnischen Herstellers Wetterhoff in einem dunklen flaschen-grün.


 photo BANANALEAFSHAWL1_zpse686f4bc.jpg


Es ist eine anspruchslose Strickerei, aber der Schal wird mich eine Weile beschäftigen. In der Zwischenzeit kann ich mir Gedanken über Herbst-/Wintermodelle machen.



 photo BANANALEAFSHAWL3_zpsd1f56cc0.jpg



Der Drang, unbedingt neue Wolle kaufen zu müssen, ist auch wieder vergangen.

Mittwoch, 13. August 2014

Dienstagsfrage am Mittwoch

Die verstrickte Dienstagsfrage 33/2014
Ich habe eine Frage an alle SockenstrickerInnen und -trägerInnen:
Was tut Ihr, wenn die Schublade eurer gestrickten Fußwärmer rappelvoll ist, Ihr aber schon neue Socken gefertigt habt und behalten möchtet (weil die ja sooo schön sind)?
Sortiert ihr aus und fällt euch das leicht?
Erweitert ihr die Lagermöglichkeiten oder gibt es für euch noch eine andere Lösung?
Vielen Dank an Antje (Sockentrolli) für die heutige Frage!


Bei mir ist es eher so dass je schöner ein Paar Socken, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es verschenkt wird.
Ja, ich sortiere Socken aus und es fällt mir leicht, denn ein Paar Socken, dass ich aussortiere, ist einige Jahre alt und wurde oft gestopft. Ab einem gewissen Punkt werden die Stopf-Zyklen immer kürzer und dann heisst es, Abschied nehmen.
Da ich immer mehr potentielle Abnehmer für Socken habe als ich tatsächlich stricke, bleibt die Anzahl der Socken in meinem Sockenfach immer, und auf natürliche Weise, konstant.

Dienstag, 5. August 2014

Dienstagsfrage

Die verstrickte Dienstagsfrage 32/2014

“Selbstgestrickte Sachen brauchen nicht perfekt zu sein, es ist schließlich Handarbeit” – stimmst Du dieser Aussage zu?


Jein. Obwohl ich mich durchaus als process knitter sehe, versuche ich dennoch, ein bestmögliches Resultat zu erzielen. Das fängt schon bei der Auswahl eines Projektes an: der Schnitt muss zu meiner Physis passen, die Größenauswahl ist sorgfältig zu treffen, die Farbe des Garns muss mir gut stehen, das verwendete Garn muss den Anforderungen des Modells entsprechen. Und schliesslich muss ich das Modell auch mit vorhandenen Kleidungsstücken kombinieren können.
Größten Wert lege ich auf eine sehr gute Passform und ein gleichmäßiges Strickbild. Ein Pulli oder eine Jacke, die nicht gut sitzt, wird sofort aufgeribbelt (das mache ich, ohne mit der Wimper zu zucken) oder verschenkt, wenn es Interessenten gibt. Jedes Kleidungsstück oder Accessoire, dass ich stricke, muss ich jederzeit und überall anziehen können, eine 'nur-für-zuhause-Jacke' gibt es bei mir nicht: eine Arbeit, an der ich viele Stunden gestrickt habe, will ich schließlich nicht verstecken. :)
Wenn ein Stück gut sitzt, kann ich aber über kleinere Mängel (beispielsweise ein kleiner Fehler in einem Zopfmuster) hinwegsehen: eben weil es Handarbeit ist.

Dienstag, 22. Juli 2014

Dienstagsfrage

Habt Ihr ein oder mehrere Lieblings-Strickbücher?
Wenn ja, welche(s)?

Aus welchem Buch habt Ihr bisher die meisten Modelle nachgestrickt?

Welches Buch in Eurer Strickbibliothek hat Euch bisher den meisten Nutzen gebracht und warum?


Als ich mich vor gut 1 1/2 Jahren daran machte, meine 'Bibliothek' von Ballast zu befreien, mich also von Büchern zu trennen, von denen ich wusste, dass ich sie niemals wieder in die Hand, geschweige denn lesen würde, habe ich natürlich auch meine Strickliteratur kritisch durchgesehen. Ich habe nur Bücher behalten, die ich regelmäßig gebrauche oder ansehe. Meine Lieblinge darunter sind Bücher, die ich sehr häufig in die Hand nehme: um ein Modell zu stricken, um die Konstruktion eines Schnitts zu studieren, oder um die Lösung eines 'stricktechnischen' Problems zu finden, oder einfach weil hoffe, eine Anregung für ein Projekt zu finden. Meine Lieblingsstrickbücher sind:

Rowan Yarns, Vintage Knits
Rowan Yarns, A Yorkshire Fable
Sarah Dallas, Knitting
Nancy Bush, Knitting Vintage Socks
Vogue Knitting, The Ultimate Knitting Book
Kim Hargreaves, Breeze

Mit fünf verschiedenen Modellen ist Nancy Bushs Vintage Socks das Buch, aus dem ich die meisten Modelle gestrickt habe, wobei ich jede dieser fünf Anleitungen mehrfach gearbeitet habe, so dass ich ca. 20 Paar Socken nach Anleitungen aus diesem Buch gestrickt habe. Nach all den Jahren ist dieses Buch meiner Meinung nach immer noch eines der besten Socken-Bücher, die es auf dem Markt gibt.
Ich bin ja seit Jahren bekennender Fan von Kim Hargreaves, und aus ihrem Breeze habe ich bereits vier Modelle nachgestrickt.

The Ultimate Knitting Book von Vogue Knitting, aber vor allem Montse Stanleys Knitters Handbook sind sicherlich die wichtigsten und somit nützlichsten Bücher in meiner Strickbibliothek, es sind Grundlagenbücher, die ich sehr, sehr oft nutze. Während man bei Montse Stanley auf so gut wie jede technische Frage und jedes Problem eine Antwort und Lösung oder auch eine Alternative findet, bietet das Buch von Vogue Knitting hilfreiche Details zu Schnitt, Entwurf und Ausarbeitung von Strickmodellen.

Auffällig ist, dass ich in den letzten vier, fünf Jahren Jahren so gut wie keine Strickbücher mehr kaufe, obwohl, so mein Eindruck, die Zahl der Publikationen, auch der deutschsprachigen, ständig steigt. Der Grund meines Desinteresses ist einfach: irgendwie sehen diese Bücher alle gleich aus, haben den gleichen Aufbau, ähnlichen Text und bieten mehr oder weniger die gleichen Modelle an - und viele dieser Bücher tragen die abschreckenden Adjektive 'schnell' und 'einfach' im Titel. Es ist wohl die Do-It-Yourself'-Welle, die all diese Handarbeitsbücher auf den Markt schwemmt.

Dienstag, 8. Juli 2014

Kurzer Prozess

Knapp zwei Wochen nach meiner zweiten Schulter-Ellbogen-OP habe ich Anfang März wieder mit dem Stricken begonnen, und zwar mit SALVIA, einem Modell von Martin Storey aus dem Rowan-Magazin 45.
Am Anfang waren es jeweils nur wenige Maschen pro Tag, denn ich habe sofort einen stechenden Schmerz im frisch operierten Ellbogen verspürt und musste die Arbeit wieder beiseite legen. Das zog sich über Wochen hin und ich befürchtete, der Schmerz würde mich nie wieder verlassen.
Darum habe ich auch gefühlte hundert Jahre an diesem Jäckchen, für das ich ein schönes, dunkelgraues Baumwollgarn von Rowan aus meinem Vorrat gewählt hatte, gestrickt.
Zum Glück wurde dann doch irgendwann besser und das Stricken machte wieder Spass - das Stechen tritt, obwohl es immer noch nicht ganz weg ist, nur noch sporadisch auf.

Vor zwei, drei Wochen waren endlich alle Teile fertig und ich machte mich an die Ausarbeitung. Dabei machte sich ein dumpfes Gefühl in meinem Magen breit (ich kann meinen Magen eigentlich blind vertrauen und für das heutige Halbfinalspiel der deutschen Mannschaft sieht es gut aus! ;) und kaum war der erste Ärmel angenäht, machte ich eine Anprobe. Ich habe das Modell in Größe M gestrickt, aber leider stellte es sich als viel zu gross heraus.


 photo SALVIA1_zps68e3a88d.jpg


Da half nur noch kurzer Prozess und am nächsten Abend war die Jacke bereits aufgeribbelt.
Eventuell stricke ich aus dem Garn MARIGOLD, ein Modell von Marie Wallin aus dem gleichen Heft.
Während das Stricken in den letzten Monaten mehr oder weniger ruhte, bzw. ruhen musste, habe ich mich wieder verstärkt mit Stickerei beschäftigt, und auch viel dazu gelesen. Schließlich habe ich meine Farb-Vorräte an Stickgarn aufgefüllt, einen alten sampler hervorgeholt und die eingerosteten Stick-Kenntnisse aufgefrischt.


 photo sampler1_zps31822993.jpg


Es geht noch ganz gut, und vor allem macht es mir gerade wahnsinnig viel Spass. Dieser sampler ist fast fertig und ein zweiter wartet bereits auf seinen Einsatz.


 photo sampler3_zps21d9d04d.jpg


Mein Plan: aus zwei alten Leinen-T-shirts möchte ich einen Sommerschal nähen und diesen dann in freier Technik mit Kreisen oder Vierecken verschiedener Größe besticken. Dabei möchte ich für jeden Kreis nur einen bestimmten Stich und farblich nur Abstufungen einer Grundfarbe verwenden.

Freitag, 16. Mai 2014

Unterwegs 2.2014

Meine liebste japanische (und frankophile) Freundin Y. reist einmal im Jahr für eine gute Woche nach Paris und wollte das auch in diesem Jahr tun. Aber bereits im vergangenen November, als ich bei ihr in Tokyo war, hatten wir überlegt, ob wir uns nicht irgendwo in Europa treffen und ein paar Tage gemeinsam verbringen, bevor sie anschließend nach Paris weiterreist. Ihre Wahl fiel auf Kopenhagen, eine Stadt, die ich sehr mag und in der ich mittlerweile auch ein paar Freunde habe.
Wir sind beide, aus unterschiedlichen Richtungen, am 1. Mai nach Kopenhagen geflogen um gemeinsam ein verlängertes Wochenende zu geniessen.


 photo planetarium_zps6e1ef802.jpg


Da ich bereits am sehr frühen Morgen in der Stadt landete, hatte ich Zeit, nach einem Frühstück Sommerfuglen den obligatorischen Besuch abzustatten. Aber da ich zur Zeit wegen meiner Schulter nicht viel stricken kann, habe ich auch keine Wolle gekauft. All den verführerischen Garnen widerstehen zu können, hat mich richtig stolz gemacht. ;)
Nach dem Einkehrschwung bei Sommerfuglen habe ich einen wunderbaren Spaziergang nach Norrebro gemacht.


 photo yuppiesraus_zps60f32f71.jpg


Billige bzw. günstige Wohnungen sind in Kopenhagen Mangelware, wie in fast jeder Hauptstadt. Und darum ist auch das Problem der Gentrifizierung überall spürbar - vor allem in zentrumsnahen Bezirken wie Norrebro. Die Zeit der Strassenschlachten ist zwar vorbei, können aber jederzeit wieder aufflammen.
Zu Norrebro gehört auch der Faelledpark, in dem es anlässlich des "Tags der Arbeit" alljährlich ein großes Fest gibt: es wird gegrillt, getrunken, gefeiert, gesungen - Bands spielen und Vertreter jedweder politischen Ausrichtung halten flammende Reden. In diesem Jahr war das Wetter so gut und der Park so voll, dass ich das Gefühl hatte, Kopenhagen hätte sich hier komplett versammelt.


 photo soziparty_zpsff7f7929.jpg


Später am Donnerstag bin ich wieder zum Flughafen gefahren und habe Y. abgeholt. Am nächsten Tag haben wir Y.'s to do-Liste in Angriff genommen, auf der auch ein Besuch in Kopenhagens berühmten Designtempel Illums Bolighuis stand. Die Schaufenster dieses wunderbaren Geschäfts waren noch ganz österlich geschmückt:


 photo illumsbolighuis_zps511ad77e.jpg


Ich habe mich bei Illums unsterblich in ein graues Sofa von Arne Jacobsen verliebt, dass mir schon in Zeitschriften sehr gut gefiel. Das Modell 'Mayor', bereits Ende der 30er Jahre entworfen, wurde vor wenigen Jahren reanimiert und ich konnte nun erstmals Probesitzen. Es hat sofort geschnackelt, die ganz große Liebe - aber der Preis ist leider exorbitant.


 photo nyhavn_zps53a87fab.jpg


EIn Abstecher zum Nyhaven war natürlich auch auf der Liste. Ebenso ein Besuch in der Louisiana, einem der schönsten Kunstmuseen der Welt. Ich war schon häufig dort, aber es zieht mich immer wieder hin - vor allem wegen der wunderbaren Sammlung von Statuen Alberto Giacomettis. Wir haben die langen Öffnungszeiten am Freitag genutzt und sind erst am späten Nachmittag nach Humlebaek gefahren.


 photo louisiana_zpsbcf0b49b.jpg


Neben Giacometti ist ein weiterer meiner Lieblingskünstler in der Louisiana vertreten: Alexander Calder. Von seinem Werk 'Little Janey Waney' hat man eine wunderbare Sicht über den Oeresund nach Schweden hinüber - Y. fand es besonders faszinierend, dass man von Dänemark aus nach Schweden gucken kann.


 photo calderlittlejaneywaney_zps62c462c6.jpg


Am Samstag haben wir die drei königlichen Schlösser angesehen, wobei ich persönlich Rosenborg am liebsten mag, nicht nur wegen des hübschen Parks.


 photo rosenborg1_zps73eacac5.jpg


Nach dem royalen Pomp wollte ich, dass Y. noch den sozialen Gegenentwurf, Christiania, sieht. Also sind wir nach Christianshavn gelaufen und haben uns durch die Gassen des 'Freistaates' treiben lassen.


 photo christania_zpsaa5e6e5c.jpg


Bei einem guten Essen mit dänisch-deutschen Freunden im wunderbaren Biomio haben wir den Samstag ausklingen lassen.
Nach einem guten Frühstück im Granola sind wir am Sonntagmorgen zuerst ins Designmuseum gegangen und haben uns die Hans J. Wegner-Ausstellung angesehen. Y. hat sich erst unlängst einen der schönen Wishbone-Stühle gekauft und war begeistert, welche Vielfalt von Sitzgelegenheiten der berühmte dänische Designer entworfen hat. Bereits bei Illums Bolighuis haben wir einstimmig festgestellt, dass manches Produkt von Wegner eher unbequem aussieht (beispielsweise der Wishbone-Stuhl), es aber gar nicht ist, ganz im Gegenteil: sie sind höchst komfortabel.


 photo wegner_zps9660f281.jpg


Vom Design-Museum ist es nur noch ein Katzensprung zum alten Kastell, einer Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert. Erstaunlicherweise lassen viele Besucher der Stadt diese schönen Anlage links liegen und widmen ihre Aufmerksamkeit der kleinen Meerjungfrau, die ganz in der Nähe, aber im Grunde völlig uninteressant ist.


 photo kastell2_zps47d758cd.jpg


Unweit des Kastells befindet sich eine alte Seemannssiedlung mit ihren kleinen gelben Häusern, 'Nyboder' genannt. Angeblich sollen dort noch heute Marineangehörige wohnen, aber ich habe auch gehört, dass die schnuckligen, zentral gelegenen Häuser besonders bei Künstlern sehr beliebt beliebt sind.

 photo sozisiedkung_zps6d05e9cc.jpg


Falls ihr die Gelegenheit habt, Kopenhagen zu besuchen: diese alte Siedlung ist wirklich sehenswert, in einem der Häuser gibt es auch ein kleines Museum.
Sonntagnachmittag ist Y. weiter nach Paris geflogen und ich nach Berlin zurück. Schön war es Kopenhagen, bis hoffentlich ganz bald!

Und morgen geht es nach London!


.

Aktuelle Beiträge

Interessant... Das könnte...
Interessant... Das könnte an dem im Garn enthaltenen...
angela_x - 21. Okt, 15:26
Das ist ja goldig! Also...
Das ist ja goldig! Also dieser Sampler. Das mit dem...
angela_x - 11. Jul, 18:56
was für ein schönes...
zauberhaft, ganz zauberhaft <3
kiki (Gast) - 8. Jul, 20:15
Bäh!
Aber immerhin kannst Du jetzt zwei winzige Rouladen...
angela_x - 19. Apr, 17:15
Gute Reise!
Liebe Sabine, das sieht ja beeindruckend (neutrales...
Iris (Gast) - 17. Apr, 15:00

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aufgeschlagen

Uwe Tellkamp
Der Turm

Hans Sarkowicz, Hrsg
Die Geschichte der Gärten und Parks

Your Turntable Isn't Dead

Thom Yorke
Tomorrow's Modern Boxes

Jon Hopkins
Inside

Jon Hopkins
Immunity

Suche

 

Status

Online seit 2616 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 21. Okt, 18:29

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page

twoday.net AGB